News
04.05.2010
Stellungnahme des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD), Landesverband
Schleswig-Holstein, zu den Vorkommnissen in der Jugendanstalt Schleswig
Zunehmende Gewalt unter Jugendlichen ist ein gesellschaftliches Problem und keinesfalls den Schulen oder Jugendanstalten zuzuschreiben / jugendpolitisch sachliches Vorgehen ist angezeigt.
SCHLESWIG 04.Mai 2010. Der Landesverband Schleswig-Holstein des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) ist verwundert über das große Medieninteresse zu den Vorkommnissen in der Jugendanstalt Schleswig. Die Gewaltbereitschaft der Jugend nimmt ständig zu und in Einrichtungen, in denen sich eine hohe Zahl von Jugendlichen auf engem Raum befindet, sind Übergriffe, Mobbing und Misshandlungen nicht völlig zu verhindern. Wenn der zunehmenden Gewaltbereitschaft jugend- und familienpolitisch nicht entgegengesteuert wird, werden solche Vorfälle auch künftig passieren.
In der Jugendanstalt Schleswig steht der Verdacht, dass ein 20.jähriger Inhaftierter über mehrere Wochen von 2 Mitinhaftierten mehrfach misshandelt wurde. Im Rahmen der internen Ermittlungen durch Vollzugsbeamte konnten 2 weitere mögliche Opfer festgestellt werden. Selbstverständlich wird solch ein Vorfall von allen Bediensteten und Verantwortlichen ernst genommen. Dennoch ist gerade im Wohngruppenvollzug ein Übergriff auf Inhaftierte durch Mitgefangene nicht völlig auszuschließen. In diesem Fall handelt es sich um eine mit 10 Gefangenen besetzte Wohngruppe, in der die Gefangenen sich auf drei Etagen in der Regel frei bewegen können. Sicherlich hätte man die Möglichkeit die Inhaftierten so zu trennen, das solche Übergriffe nicht möglich wären. Das jedoch würde im Umkehrschluss bedeuten, das Inhaftierte 23 Stunden täglich bei Einzelhaft unter Verschluss wären. Eine Resozialisierung wäre dann jedoch unmöglich. Das wiederum aber auf keinem Fall im gesellschaftlichen Interesse sein. Hier wird man immer eine Gradwanderung betreiben müssen.
Zu dem Schleswiger Vorfall teilte der BSBD Landesvorsitzende Michael Hinrichsen, selbst Mitarbeiter der Jugendanstalt Schleswig, mit:
„In der Jugendanstalt Schleswig wird ausschließlich Wohngruppenvollzug betrieben. Den max. 73 Gefangenen im geschlossenen und max. 10 Gefangenen im offenen Vollzug stehen rund 60 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes gegenüber. Hierzu kommen noch externe Kräfte wie zum Beispiel Mitarbeiter des Berufsfortbildungswerkes. Die Inhaftierten in Schleswig sind in der Regel in arbeits- und schulischen Maßnahmen beschäftigt. Im Rahmen des Wohngruppenvollzuges können die Inhaftierten sich nach Arbeitsende ab 16:00 UHR bis 20:30 UHR auf den Abteilungen frei bewegen. Das Abendessen wird zusammen mit dem Vollzugsbeamten eingenommen. Anschließend haben die Inhaftierten die Möglichkeit an Freizeitmaßnahmen teilzunehmen. Eine ständige Kontrolle aller Inhaftierten gleichzeitig durch Vollzugsbedienstete ist aber unmöglich. Dem entgegen steht jedoch durch das Betreuungskonzept eine „soziale Sicherheit“ zu den Bediensteten. Diese hat schlussendlich auch in Schleswig dazu geführt, das ein Inhaftierter den zuständigen Bediensteten über die Vorkommnisse informiert hat und ernsthafte Verletzungen des Betroffenen somit verhindert werden konnten.
Maßnahmen zur Sicherung wurden sofort eingeleitet, seitens der Anstaltsleitung wurde gegen die Beteiligten Strafantrag gestellt.“
Der BSBD Schleswig-Holstein weist nochmals darauf hin, dass ein Fehlverhalten von Bediensteten nicht erkennbar ist.
Die Ursachen der Gewalt unter den Gefangenen müssen sorgfältig und in aller Ruhe analysiert werden, damit Maßnahmen getroffen werden können, die zukünftig solche Vorkommnisse verhindern.
Die Vollzugseinrichtungen sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, viele Gefangene sind junge Menschen, die in ihrem Sozialverhalten und intellektuell große Defizite aufweisen.
In der Jugendanstalt Schleswig wird den Gefangenen die Möglichkeit geboten Schul- und Berufsabschlüsse zu erwerben, um ihre Startmöglichkeiten in ein Leben ohne Straftaten zu verbessern. Jede gelungene Wiedereingliederung eines Gefangenen ist ein Zugewinn für die innere Sicherheit in unserer Gesellschaft.